
Vier Jahrhunderte.
Er hatte Verlangen. Nach Alkohol. Seit Wochen war er ohne ausgekommen.
„Ich gebe mich nicht wieder her.“
Er brauchte jetzt Erinnerungen.
„Einen Geschmack. Einen Geruch.“
Er setzte sich auf eine Parkbank. Im Rosengarten.
„Ich rieche die Wangen meiner Oma.“
Dieser Duft einer alten, verbitterten, buckligen Frau ist so herrlich in Erinnerung, wie die, von diesen Rosen. Beide sind dezent. Mehr ein Hauch. Warm und lieblich. Nicht sentimental. Beruhigend, erzählerisch. Von der Frühwaschung mit der Kernseife. Von dem Morgentau.
Lange hingen ihm diese Wörter in den Ohren. Diese Aromen in der Nase.
Monate später bei einem anderen Rückfall-Andrang.
„Der Kuss auf dem Kopf meine Enkelkinder. Es ist der schönste Duft des Lebens. Es ist eine Botschaft der Hoffnung. Es öffnet das Fenster zu mir selbst.“
Wieder auf der Parkbank. Er ist seit Monaten trocken. Sieht die Welt, wie es ist. Ohne Farbfilter. Das ist schwer zu ertragen. Dieses Grau.
„Mit diesen zwei Arten von Küssen umarme ich Generationen.“
Seine Großmutter ist 1897 geboren. Seine Enkelkinder werden die Jahrhundertwende zur 2100 feiern.
Das sind vier Jahrhunderte!
„Was für ein Kuss-Bogen am Horizont meines Lebens! Dafür hat sich schon gelohnt alles zu ertragen. Zu erleben.“

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